Hinter den Kulissen des Politalltags: Jugend und Parlament im Bundestag

Arfst Wagner und Julika Voß

Arfst Wagner und Julika Voß

Vom 1. bis zum 4. Juni war dieses Jahr wieder „Jugend und Parlament“ in Berlin. Bei diesem Planspiel haben 312 Jugendliche aus ganz Deutschland die politische Gesetzgebung nachgeahmt und damit besser verstanden. Ich, Julika Voß, hatte die Ehre, von Herrn Arfst Wagner eingeladen zu werden und konnte damit beeindruckende Erfahrungen sammeln.

Unter einem anderen Namen und mit einer neuen Identität begann ein großes Abenteuer. Wir verbrachten vier Tage im Reichstagsgebäude und Paul-Löbe-Haus mit Landesgruppen- oder Fraktionssitzungen, Arbeitsgruppen- oder Ausschusssitzungen und natürlich hitzigen Diskussionen und großen Meinungsverschiedenheiten über vier Gesetzentwürfe. Damit bekamen wir einen realistischen Einblick in die Welt der Politik.

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch einen persönlichen Besuch im Büro von Herrn Arfst Wagner und die Podiumsdiskussion mit den stellvertretenden Fraktionschefs aller Parteien. Sogar der Bundestagspräsident Herr Prof. Dr. Norbert Lammert hatte Zeit für uns, um ein Schlusswort zu ziehen und für ein Abschlussfoto mit allen Teilnehmern. Besonders in Erinnerung sind mir aber drei wichtige Dinge für mein Leben geblieben.

Erstens, Politik ist ein hartes Geschäft. Nicht nur Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit spielen eine große Rolle, auch Durchsetzungsvermögen wird benötigt, um seine eigene Meinung zu vertreten und Ämter zu ergattern. Außerdem mussten wir von morgens um sieben Uhr bis abends um 22 Uhr immer konzentriert mitdenken, so wie es auch in der echten Politik verlangt wird. Die Fraktionsvorsitzenden haben sogar noch länger gearbeitet und oft nur drei Stunden geschlafen. Also Politik ist wirklich wesentlich anstrengender als Schule oder andere Berufe und sollte daher nicht von der Bevölkerung unterschätzt werden. Auch wenn bei den Sitzungen teilweise wenige Abgeordnete sitzen, so wird doch hart gearbeitet.

Zweitens, es ist wirklich schwer, sich in der Fraktion zu einigen. So gab es öfters bei der Abstimmung nur wenige Stimmen Unterschied, die das Meinungsbild der gesamten Partei bestimmt haben. Falls man überstimmt wurde, musste man sich überlegen, ob man guten Gewissens mit der Fraktion stimmen kann oder sich gegen seine Partei stellt. Aber das reicht immer noch nicht aus. Um die Mehrheit im Plenarsaal zu erreichen, braucht man einen Koalitionspartner. Und mit diesem auf einen Nenner zu kommen, ist noch schwieriger. So musste einmal der Fototermin von unserer Arbeitsgruppe unterbrochen werden, da wir kurz vor einem Koalitionsbruch standen und damit kein einziges Gesetz auf den Weg gebracht hätten. Um unsere Vorschläge zu retten, mussten wir Kompromisse eingehen, welche in der Politik überlebenswichtig sind. Dabei habe ich verstanden, wie schwer es ist, ein Gesetz nach den eigenen Vorstellungen durchzubringen. Die Presse durfte die ganzen Konflikte natürlich nie mitbekommen, um nicht schlecht über unsere Partei berichten zu können. Wahrscheinlich passiert also viel mehr hinter den Kulissen, als wir erfahren. So ist es nicht leicht, einen auf den ersten Blick einfach wirkenden Gesetzvorschlag zu realisieren, da es Formulierungs- und Meinungsverschiedenheiten gibt und aus diesem Grund Parteien gegen den Entwurf stimmen, sobald ihre Meinung nicht genügend berücksichtigt wurde.

Und zuletzt, es gibt so viele nette Menschen auf der Welt. Da wir uns alle nicht kannten, mussten wir aufeinander zugehen. Ich habe so viele liebenswürdige, herzliche Jugendliche kennengelernt und total viel gelacht, sodass mir der Abschied wirklich schwer fiel. Schade nur, dass man im Alltag nicht so unbefangen auf fremde Menschen zugeht. Insgesamt herrschte außerdem ein tolles Miteinander und ein toleranter Umgang, selbst im Plenarsaal bei verschiedenen Meinungen. Teilweise bin ich alleine zum Frühstück gegangen oder habe mich irgendwo angeschlossen, um noch mehr Jugendliche kennenzulernen. Obwohl wir uns nicht kannten, gab es super interessante Gespräche. Dann wurde die Nacht auch schon mal etwas kürzer, um sich noch länger unterhalten zu können und die freie Zeit möglichst gut zu nutzen. Nur die vielen Namen Lernen fiel fast allen Teilnehmern schwer. Mit Einigen werde ich hoffentlich in Kontakt bleiben.

Nochmals vielen Dank, Herr Wagner, für die Einladung. Von diesen Erfahrungen kann ich nicht nur bei Jugend im Kreistag schöpfen, sondern auch im Alltag. Es werden mir unvergessliche Tage bleiben.

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3 Kommentare

  1. Hat mich auch sehr gefreut, Dich kennenzulernen, Julika!

  2. […] Arfst Wagner, MdB: Hinter den Kulissen des Politalltags: Jugend und Parlament im Bundestag […]

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