Schüler_innen fordern mehr Mitsprache – aus dem Gespräch mit dem Stadtschülerrat Flensburg

Am Freitag, 02.11. war der Flensburger Stadtschülerrat zu einem Gespräch mit den grünen Abgeordneten Arfst Wagner (MdB) und Rasmus Andresen (MdL) in deren Wahlkreisbüro in Flensburg eingeladen. In gemütlicher Atmosphäre konnten Kim Dittmann (Koordinatorin), Jann Karrasch (Stadtschülersprecher) und Levke Kooistra (stellv. Stadtschülersprecherin) ihre Anliegen und Interessen vortragen und sich über die politische Arbeit der Abgeordneten informieren.

Auf die Frage wie Schülervertretungen auf Landesebene in den politischen Entscheidungsprozess eingebunden werden, antwortete Rasmus Andresen: „Wir haben im Koalitionsvertrag vereinbart, den Schülervertretungen mehr Mitspracherechte zu geben und die Schulen zu demokratisieren, als ersten Schritt wollen wir ein Rederecht für die Landesschülervertretungen im Bildungsausschuss einrichten. So können sich die Schüler_innen direkt zu Wort melden und konkrete Initiativen durch ihren Input verbessern oder kritisieren.“

Während des Gesprächs erkundigte sich Arfst Wagner bei den Schüler_innen wer denn ihr Auftraggeber als Stadtschülerrat sei. Nach kurzer Überlegung gab Jann Karrasch zurück: „Direkt gesehen das Bildungsministerium, aber indirekt eigentlich wir Schüler_innen.“ Arfst Wagner bekräftigte, dass der Bildungsbegriff in seinem und in dem Verständnis der Grünen weiter gefasst werden muss, und dass Schülerbeteiligung eine Selbstverständlichkeit sei, da nur die Schüler_innen selbst wüssten wie eine adäquate Bildung in ihrem Interesse aussehe.

Die Einbindung der Lernenden in Entscheidungen an der Schule seien eher mittelmäßig, erklärte der Stadtschülersprecher: „Formal wurde der Stadtschülerrat im April diesen Jahres gegründet und verfügt über einen eigenen Etat. Ob wir im Ausschuss des Stadtrats gehört werden, hängt jedoch stark von den einzelnen Mitgliedern ab.“

Der Stadtschülerrat stellte zudem das Positionspapier vor. Eine der zentralen Forderungen ist der verbesserte Einsatz von Investitionen: „Die Tafeln in unserer Schule werden durch sog. White-Boards ersetzt. Da aber kaum ein Lehrer sie benutzt ist das in unseren Augen eine Geldverschwendung.“ kritisierte die stellvertretende Stadtschülersprecherin Levke Kooistra und fügte hinzu: „Eine Lösung könnte eine Schulung für Lehrer sein.“ Jann Karrasch erklärte, dass die Gelder besser in Arbeitsmaterialien wie z.B. Workbooks investiert werden sollten, für deren Kosten momentan noch die Schüler selbst aufkommen müssen. In das Thema Finanzen und Investition von Geldern würden die Schüler leider an vielen Schulen noch nicht wirklich einbezogen.

Die Problematik der Schulbeförderungskosten ist ein weiterer Kritikpunkt, den der Stadtschülerrat aufführte: „Ich zum Beispiel bekomme keine Förderung vom Kreis und zahle deshalb über 300€ im Jahr. Aber selbst die, die eine Förderung erhalten, müssen mit Eintritt in die Oberstufe alles selbst zahlen„, bemängelte Jann Karrasch. Levke Kooistra stimmte der Kritik zu: „Es ist schwer als Schüler in der Oberstufe noch zu arbeiten.“ Viele Familien stünden aber vor Finanzierungsproblemen, sodass es hier letztendlich auch um Chancengleichheit ginge. Zu dem Kritikpunkt erklärte Rasmus Andresen: „Es gibt parteipolitisch zwar unterschiedliche Schwerpunkte, jedoch ist die finanzielle Lage der Kommunen im Moment schwierig, da auch die Möglichkeiten der Steuereinnahmen stark eingeschränkt sind.“ Beide Abgeordnete waren sich einig, dass die Schüler_innen ihre Interessen entschieden vertreten sollten. Es sei immer möglich sich auch im Rahmen eines Landtags- oder Bundestagsbesuch in die Politik einzubringen und den Kontakt zu den Entscheidungsträger_innen zu suchen. „Ich besuche zusammen mit Kolleg_innen unterschiedlicher Fraktionen zahlreiche Schulen und führe sehr interessante Gespräche mit Schüler_innen.“ sagte Rasmus Andresen. Arfst Wagner fügte hinzu: „Wichtig ist auch die Frage: Wie ist der Dialog zwischen Lehrer_innen und Schüler_innen? Ich kenne Lehrer_innen, die sagen: mein Lehrplan sind die Fragen meiner Schüler_innen und Schüler. Viele Schüler_innen aber akzeptieren die Hierarchie und das aktuelle System der Notengebung in der Schule“, so Arfst Wagner. „Das Thema der Notengebung ist schwierig, da die Mehrheit der Schüler_innen es nicht anders kennt, wollen sie Noten weiterhin behalten. Nur wenige Schüler haben eine differenzierte Bewertung kennen gelernt, es fällt aber auf, dass diese Noten für wenig aussagekräftig und ungerecht gehalten werden.“ entgegnete die Koordinatorin Kim Dittmann.

Eine weitere Forderung des Stadtschülerrats sind die Verlängerung der Wirtschaftspraktika an Schulen auf 3-4 Wochen und der vermehrte Einsatz von Computern im Unterricht, um die Schüler_innen zeitgemäß auf das Arbeitsleben nach der Schule vorzubereiten.

„Auch bei der Finanzierung der Essensversorgung an Schulen sehen wir Verbesserungsbedarf.“ berichtete Jann Karrasch: „Es fehlt Geld an den offenen Ganztagsschulen. Eltern engagieren sich hier vermehrt ehrenamtlich. Dass die Schulküchen nun auch umsatzsteuerpflichtig sind, macht die ganze Angelegenheit nicht einfacher.“ Zu dem letzten Kritikpunkt der Umsatzsteuerpflicht erklärte Arfst Wagner, er wolle die Angelegenheit nach Berlin mitnehmen und es in die Politik einbringen. Auch die Volkshochschulen seien von dieser Regelung betroffen.

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